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Lieber Klimaschutz statt Umgehungsstraße

Meine Lebensqualität wird durch die geplante Umgehungsstraße nicht verbessert werden.

Text: Susanne Hagner, Bretten den 03.11.2021

Ein wunderbares Naherholungsgebiet wird zerstört werden. In der Coronazeit war ein Spaziergang über die Felder zwischen dem Steiner Pfad und Rinklingen für viele Brettener eine willkommene und gesunde Freizeitbeschäftigung. Ob zum Sonntagsspaziergang mit der Familie, zum Abendspaziergang unter Freunden oder zum Schlittenfahren: die Brettener schätzen die Gegend dort oben.

Hinter den Hetzenbaumhöfen verschandeln Strommasten die Landschaft. Hinter Diedelsheim schneidet sich die Bahnlinie in die Ebene. Auf dem Höhenspazierweg, wo die Umgehungsstraße zwischen Pforzheim und Bruchsal geplant ist, hat man derzeit einen einmaligen, atemberaubenden Weitblick, der nach dem Willen der Stadtväter zerstört werden soll. Ich habe die Politiker nicht gewählt, dass sie mein Leben verschlechtern. Nun wird jeder vernünftige Mensch einwenden, dass eine Spazier-Gegend gegenüber wirtschaftlichen Erwägungen zurückstehen muss. Man kann einwenden, dass es lächerlich ist, bewilligte Millionenzuschüsse des Bundes abzulehnen, um die man sich jahrelang bemüht hat. Für mich ist es unvernünftig zu glauben, dass der Autoverkehr der wirtschaftliche Motor der Zukunft sein wird. Die Klimabedingungen werden es nicht zulassen. Aus meiner Sicht wird der wirtschaftliche Motor der Zukunft die Internetverbindung, effiziente Klimatechnologie und eine intakte, natürliche Umgebung sein.

Die Klimaprognose für die Landkreise wurde kürzlich veröffentlicht. Für den Landkreis Karlsruhe bedeutet der Klimawandel einen Temperaturanstieg von 0,5-5,4°C. Für die Änderung der Niederschlagsmenge reichen die Prognosen von einer Abnahme um 11% bis zu einer Zunahme um 32,4%. Wir dürfen uns als Region glücklich schätzen, dass die Klimaprognosen uns weiterhin Wasser vorhersagen. Die Prognosen der Niederschlagsmengen sind nicht robust. Was aber robust ist, ist die Aussage, dass es weniger Grundwasser-regenerierenden Schnee und Nieselregen geben wird. Dafür werden aber die Fluten-erzeugenden Starkregen des Sommers häufiger. Das Wasser fließt schlimmstenfalls mit geringem Effekt für unser Grundwasser einfach ins Meer ab und zerstört ggf. nebenbei Existenzen – wie gerade anlässlich der Flutkatastrophe im Ahrtal geschehen. Hat eigentlich jemand geprüft, wie der Tunnel und der Tunnelbau in den Wasserhaushalt eingreift oder auf einen Starkregen reagiert? Ich bin dafür Stauseen oder – nicht ganz so hoch gegriffen – Stau-Weiher zu planen, statt mit der Umgehungsstraße einen neuen Hitzespeicher in meine nächste Umgebung zu stellen. Mit dem unaufhaltbaren Teil der Klimawandels können die Niederschlagsmengen zwischen den Jahren stark schwanken, wie zwischen der Trockenperiode von 2018-2020 und dem verregneten Jahr 2021 mit seinen sintflutartigen Regenfällen.

Die Stau-Weiher könnten einen wertvollen Beitrag zur Bewässerung in der Landwirtschaft leisten. Das Wasser speichert die Hitze und wirkt klimatechnisch genau in die entgegengesetzte Richtung wie die geplante Umgehungsstraße. Nebenbei könnte es ein Beitrag sein, in anderen Teilen Deutschlands Überflutungen zu verhindern.

Auch wenn man Abstand von der Überlegung mit den Stau-Seen oder Stau-Weihern nimmt, ist landwirtschaftlich genutzter Boden klimatechnisch bedeutend wertvoller als Teerwüsten, denn unversiegelter Boden speichert CO2 und leistet damit einen Klimabeitrag.

Ich glaube, dass unsere Stadtväter die Zeichen der Zeit missverstehen. Ich glaube, dass wir auch unter wirtschaftlichen und städtebaulichen Überlegungen weniger Verkehr haben werden, dafür mehr Home-Office. Wir werden mehr Bedarf an guten Internetverbindungen und mehr Bedarf an intakter Natur zum Stressabbau für die im Home-Office-Tätigen haben. Wir werden jeden kühlenden Effekt suchen.

Selbst in der der Finanzwelt ist diese Botschaft angekommen. Weltweit werden Unternehmen nach ESG-Kriterien beurteilt, d.h. nach Nachhaltigkeitskriterien bezogen auf Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung. Unternehmen mit einem günstigen ESG-Rating erhalten leichter Geld von den Investoren auf dem Kapitalmarkt. Wesentlicher Treiber dieser Entwicklung war der EU-Aktionsplan und die darauffolgenden Verordnungen zur Offenlegungspflicht für Nachhaltigkeit von Finanzinstrumenten und zu weiteren Maßnahmen.

In der Rechtsprechung ist die Botschaft angekommen. Klimaaktivisten gewinnen Prozesse gegen Weltkonzerne wie Shell.

In den Großstädten ist die Botschaft angekommen. Dort werden Mini-Wälder nach der Miyawaki Methode auf lächerlich kleinem Raum gepflanzt.

Und wir wollen uns erlauben, eine dagegen riesige Fläche neu zu versiegeln? Auch unsere Gemeinde bzw. der Bund sollte sich für erträgliche Klimabedingungen in der Zukunft einsetzen. Die Zukunft beginnt jetzt.

Wir brauchen jedes Jahr weitere 6% CO2-Emissionsreduktion, wie diejenigen, die uns die Corona-Einschränkungen quasi nebenbei beschert haben. Wir werden keine Umgehungsstraße brauchen. Wir brauchen mutige Änderungen eingeschlagener Wege.

Text: Susanne Hagner, Bretten den 03.11.2021

Bildquelle: Elke Sauter

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